✦ Ratgeber · Umschuldung

Umschuldung: Wann lohnt sie sich wirklich?

Eine Umschuldung senkt fast immer die Monatsrate. Ob sie auch Geld spart, ist eine völlig andere Frage – und genau die wird selten gestellt.

Umschuldung heißt: Ein neues Darlehen löst alte ab. Das kann zwei völlig verschiedene Ziele haben – weniger Zinskosten oder mehr Luft im Monatsbudget. Beides ist legitim, aber es sind unterschiedliche Rechnungen. Wer sie vermischt, wird enttäuscht.

Vier Prüffragen

  1. Wie groß ist die Zinsdifferenz? Unter etwa einem Prozentpunkt lohnt der Aufwand selten, es sei denn, es geht um hohe Beträge oder einen Dispo.
  2. Wie lang ist die Restlaufzeit? Je kürzer, desto geringer der Zinsanteil – und desto weniger bringt eine Ablösung. Unter zwölf Monaten meist nicht mehr sinnvoll.
  3. Was kostet die Ablösung? Bei Verbraucherkrediten ist die Vorfälligkeitsentschädigung auf 1,0 % des abgelösten Betrags begrenzt, bei Restlaufzeit unter zwölf Monaten auf 0,5 % (§ 502 BGB).
  4. Verlängert sich die Gesamtlaufzeit? Wenn ja, sinkt die Rate – aber die Zinssumme kann steigen. Das muss man wissen, bevor man unterschreibt.

Beispiel, bei dem es sich lohnt

Drei Verbindlichkeiten, zusammen 25.000 € Restschuld:

VerbindlichkeitRestschuldZinsMonatlich
Autokredit (36 Monate Rest)12.000 €7,90 %375,48 €
Ratenkredit (30 Monate Rest)9.000 €9,90 %339,88 €
Dispo (nur Zinsen)4.000 €11,50 %38,33 €
Summe25.000 €753,69 €

Neues Darlehen: 25.000 € zu 6,90 % effektiv.

LaufzeitRateEntlastungZinskosten neu
48 Monate597,50 €156,19 €3.679,85 €
60 Monate493,85 €259,84 €4.631,08 €

Warum das aufgeht: Der Dispo mit 11,50 % verschwindet, das teure Ratenkreditzinsniveau von 9,90 % wird ersetzt, und aus drei Raten wird eine. Bei 48 Monaten sinken sogar die Gesamtzinsen gegenüber der Fortführung – bei 60 Monaten steigen sie leicht, dafür ist die monatliche Entlastung größer. Das ist die Entscheidung, die Sie treffen müssen, und sie sollte bewusst fallen.

Gegenbeispiel: hier lohnt es nicht

Kurze Restlaufzeit, kleine Differenz

Ein Ratenkredit über ursprünglich 15.000 € läuft noch 14 Monate, Restschuld 4.200 €, Zinssatz 8,5 %. Ein neues Darlehen zu 6,9 % würde über die kurze Restlaufzeit nur wenige Euro Zinsen sparen – und die Vorfälligkeitsentschädigung sowie der Aufwand fressen den Vorteil auf. Hier ist die richtige Empfehlung: laufen lassen.

Ebenfalls kritisch: eine Umschuldung, die ausschließlich über eine deutlich längere Laufzeit funktioniert, ohne dass sich am Zinssatz etwas verbessert. Dann verschieben Sie Kosten in die Zukunft, statt sie zu senken. Das kann in einer Engpasssituation richtig sein – man sollte es nur wissen.

Der Dispo ist fast immer der größte Hebel

Der Dispositionskredit ist die teuerste verbreitete Verschuldungsform. Wer ihn dauerhaft nutzt, zahlt Zinsen, ohne zu tilgen – die Schuld bleibt also, während das Geld abfließt. Zwei Empfehlungen:

  • Dispo in ein Ratendarlehen umwandeln. Damit entsteht ein Tilgungsplan, und die Schuld endet zu einem definierten Datum.
  • Linie danach reduzieren. Sonst füllt sie sich erfahrungsgemäß wieder. Nebeneffekt: Manche Banken rechnen offene Dispolinien bei künftigen Finanzierungen als Belastung an – auch wenn sie ungenutzt sind.

Immobiliendarlehen: andere Regeln

Bei Immobilienfinanzierungen kann die Vorfälligkeitsentschädigung während der Zinsbindung erheblich sein – die 1-Prozent-Grenze der Verbraucherkredite gilt hier nicht. Zwei Ausstiegspunkte sind dennoch kostenfrei:

  • Zum Ende der Zinsbindung – der Normalfall der Anschlussfinanzierung.
  • Nach zehn Jahren ab vollständiger Auszahlung, mit sechs Monaten Frist (§ 489 BGB) – unabhängig davon, ob 15 oder 20 Jahre vereinbart waren.

Wenn Ihre Immobilienfinanzierung älter als zehn Jahre ist und Sie einen hohen Zins zahlen, lohnt der Blick in den Vertrag. Wir prüfen das kostenlos – siehe Anschlussfinanzierung.

Ortaç Özel

Geschäftsführer der SoWo Immobilien GmbH · Frankfurt am Main

Gründete SoWo 2013 in Frankfurt und begleitet seither Käufer, Eigentümer und Kapitalanleger im Rhein-Main-Gebiet – von der Objektbewertung bis zur Finanzierungszusage. Immobiliardarlehensvermittlung gemäß § 34i GewO. Mehr über das Unternehmen

Häufige Fragen

Wie viele Kredite kann ich zusammenfassen?
Technisch beliebig viele, solange die Gesamtsumme zu Ihrer Bonität passt. Praktisch werden häufig zwei bis fünf Verbindlichkeiten inklusive Dispo gebündelt.
Sinkt durch eine Umschuldung mein Schufa-Score?
Kurzfristig kann sich der Score leicht verändern, weil ein neuer Vertrag entsteht. Mittelfristig wirkt es meist positiv: weniger laufende Verträge und keine dauerhaft ausgeschöpfte Dispolinie.
Was ist besser: kurze oder lange Laufzeit?
Kurz spart Zinsen, lang entlastet die Monatsrate. Wählen Sie die kürzeste Laufzeit, deren Rate Sie sicher tragen – inklusive Puffer für unerwartete Ausgaben.
Kann ich umschulden, wenn ein Kredit noch eine Restschuldversicherung hat?
Ja. Prüfen Sie aber, ob und in welcher Höhe Sie einen Teil der Versicherungsprämie zurückerhalten. Bei vorzeitiger Ablösung besteht häufig ein anteiliger Rückerstattungsanspruch.

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