✦ Ratgeber · Immobilienmarkt Frankfurt

Immobilien Frankfurt: kaufen oder mieten?

Die ehrliche Antwort lautet: Es hängt von Ihrer Haltedauer, Ihrem Eigenkapital und dem konkreten Objekt ab. Hier ist die Rechnung, mit der Sie es selbst beurteilen können.

Vorab: Wir geben keine Preisprognosen ab. Niemand weiß, wo die Frankfurter Kaufpreise in fünf Jahren stehen, und jede Rechnung, die auf einer angenommenen Wertsteigerung aufbaut, ist eine Wette. Was man dagegen seriös rechnen kann, ist die Frage: Bei welchen Bedingungen ist Kaufen wirtschaftlich vertretbar – auch ohne Wertsteigerung?

Schritt 1: Der Vervielfältiger

Die schnellste Einordnung eines Angebots liefert der Vervielfältiger, auch Kaufpreis-Miet-Verhältnis genannt:

Vervielfältiger = Kaufpreis ÷ Jahresnettomiete

Beispiel: 600.000 € Kaufpreis, 1.800 € Nettomiete monatlich = 21.600 € im Jahr.
600.000 ÷ 21.600 = 27,8 – das entspricht einer Bruttorendite von 3,6 %.

Beispielwerte zur Veranschaulichung. Setzen Sie Ihre konkreten Zahlen ein; aktuelle Marktdaten liefern der Gutachterausschuss für Immobilienwerte in Frankfurt am Main sowie der Mietspiegel der Stadt.

Wie ist das zu lesen? Ein Vervielfältiger von 28 bedeutet: Sie zahlen 28 Jahresmieten für das Objekt. In Frankfurt und anderen Metropolen liegen die Werte seit Jahren deutlich höher als in ländlichen Regionen – deshalb ist der Vervielfältiger kein absoluter Maßstab, sondern ein Vergleichsinstrument: zwischen Objekten, Stadtteilen und gegenüber der Alternative Miete.

Schritt 2: Vollkostenvergleich

Der klassische Fehler ist, die Kaufrate mit der Miete zu vergleichen. Das ist falsch in beide Richtungen: Die Rate enthält Tilgung – also Vermögensaufbau –, aber beim Kauf kommen Kosten hinzu, die ein Mieter nicht trägt.

PositionMietenKaufen
Monatliche GrundbelastungNettomieteZinsanteil der Rate
VermögensaufbauAnlage des freien KapitalsTilgungsanteil der Rate
Nicht umlagefähige BetriebskostenVerwaltung, Bankgebühren
Instandhaltungca. 1,00–1,50 €/m² monatlich
Grundsteuerüber Nebenkostendirekt
OpportunitätskostenRendite, die das Eigenkapital anderswo brächte
Einmalig verlorenca. 10 % Kaufnebenkosten
FlexibilitätKündigungsfristVerkauf dauert Monate und kostet

Fairer Vergleich heißt deshalb: Zinsanteil plus laufende Eigentümerkosten gegen Nettomiete – und den Tilgungsanteil gegen das, was ein Mieter mit derselben Summe sparen und anlegen würde.

Schritt 3: Haltedauer und Nebenkosten

Der wichtigste Einzelfaktor ist die Haltedauer. Rund 10 % Kaufnebenkosten – in Hessen maßgeblich getrieben von 6,0 % Grunderwerbsteuer – sind endgültig weg. Sie müssen über die Zeit durch Tilgung, ersparte Miete oder Wertentwicklung wieder aufgeholt werden.

Faustregel

Unter etwa acht bis zehn Jahren Haltedauer ist ein Kauf wirtschaftlich riskant, wenn Sie nicht auf Wertsteigerung setzen wollen. Wer absehbar berufsbedingt umziehen könnte, sollte das ernst nehmen.

Zwei steuerliche Punkte, die zur Haltedauer gehören:

  • Beim Verkauf innerhalb von zehn Jahren kann ein Gewinn steuerpflichtig sein (§ 23 EStG). Für selbst genutzte Immobilien gibt es eine Ausnahme – die Details sollten Sie mit Ihrer Steuerberatung klären.
  • Bei vermieteten Objekten gelten ganz andere Rechnungen, weil Zinsen und Abschreibung steuerlich wirken. Für Kapitalanlagen ist der Vollkostenvergleich oben nicht die richtige Methode.

Was in Frankfurt besonders ist

  • Hohe Nebenkostenquote. Mit 6,0 % Grunderwerbsteuer liegt Hessen am oberen Ende – das verlängert die notwendige Haltedauer gegenüber Bundesländern mit niedrigeren Sätzen.
  • Enger Mietmarkt. Die Alternative „einfach weiter mieten" ist bei Umzug innerhalb Frankfurts nicht immer verfügbar oder günstig. Das ist ein Argument für Kauf, das in reinen Renditerechnungen fehlt.
  • Große Unterschiede zwischen Mikrolagen. Zwischen zwei Straßenzügen können Preis- und Mietniveau erheblich abweichen. Vergleichen Sie deshalb nie „Frankfurt", sondern konkrete Objekte in konkreten Lagen – siehe unsere Standortseiten.
  • Sanierungsstand als Preisfaktor. Bei älterem Bestand gehören absehbare Maßnahmen in die Kaufentscheidung, nicht in eine Überraschung zwei Jahre später.

Was sich nicht rechnen lässt

Am Ende bleibt ein Teil der Entscheidung außerhalb jeder Tabelle: Gestaltungsfreiheit, Sicherheit vor Eigenbedarfskündigung, das Gefühl, für die eigene Familie etwas aufgebaut zu haben. Diese Punkte sind real, auch wenn sie keinen Eurobetrag haben. Umgekehrt ist Miete keine Verschwendung, sondern der Preis für Flexibilität und für die Möglichkeit, Kapital anders anzulegen.

Unsere Rolle dabei ist nüchtern: Wir sagen Ihnen, welcher Kaufpreis für Sie finanzierbar ist, wie hoch die Rate wäre und was nach Ablauf der Zinsbindung an Restschuld übrig bleibt. Mit diesen drei Zahlen können Sie die Entscheidung selbst treffen – und wenn die Antwort „erst mal weiter mieten" lautet, sagen wir das auch.

Ortaç Özel

Geschäftsführer der SoWo Immobilien GmbH · Frankfurt am Main

Gründete SoWo 2013 in Frankfurt und begleitet seither Käufer, Eigentümer und Kapitalanleger im Rhein-Main-Gebiet – von der Objektbewertung bis zur Finanzierungszusage. Immobiliardarlehensvermittlung gemäß § 34i GewO. Mehr über das Unternehmen

Häufige Fragen

Was ist ein guter Vervielfältiger?
Es gibt keinen allgemeingültigen Wert – in Metropolen liegen die Vervielfältiger strukturell höher als auf dem Land. Nutzen Sie die Kennzahl zum Vergleich zwischen Objekten und Lagen und gegen die Alternative Miete, nicht als absolute Grenze.
Ab welcher Haltedauer lohnt sich ein Kauf?
Als Orientierung acht bis zehn Jahre, weil rund 10 % Kaufnebenkosten aufgeholt werden müssen. Kürzere Haltedauern funktionieren nur mit Wertsteigerung – und die ist nicht planbar.
Soll ich auf sinkende Preise warten?
Wer wartet, zahlt weiter Miete und tilgt nichts. Ob Preise oder Zinsen sich in Ihre Richtung bewegen, weiß niemand. Sinnvoller ist die Frage, ob ein konkretes Objekt zu Ihrem Budget passt – mit einer Struktur, die auch bei ungünstiger Entwicklung tragfähig bleibt.
Wo finde ich verlässliche Marktdaten für Frankfurt?
Beim Gutachterausschuss für Immobilienwerte der Stadt Frankfurt am Main (Grundstücksmarktbericht, Bodenrichtwerte) und im städtischen Mietspiegel. Diese Quellen sind belastbarer als Portalstatistiken, die nur Angebots- und keine Abschlusspreise zeigen.

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